Kleingärtner protestierten auf dem Kudamm

Nicht zu überhören und schon gar nicht zu übersehen in ihren leuchtenden Reflektorjacken waren gestern nachmittag, nach Angabe des Veranstalters 2000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Demonstration gegen den ständigen Abbau von Berlins Kleingartenanlagen. „Wir fordern vom Senat endlich eine Entscheidung für eine langfristig sichere Position unserer Gärten“, sagt Peter Ehrenberg im Gespräch während der Demonstration auf dem Kurfürsten Damm.

Der Präsident des Landesverbandes der Gartenfreunde Berlin sieht aktuell Probleme in Wilmersdorf, bei der kleinen „Kolonie Durlach“. Dort ist die vom Senat festgelegte Schutzfrist bereits im letzten Jahr ausgelaufen. Eine Verlängerung hatte es nicht mehr geben, denn die Kolonie liegt in einer begehrten Wohnlage, direkt am Volkspark Wilmersdorf. Das Landstück soll jetzt durch den Liegenschaftsfond an Meistbietende verkauft werden. Auch in Pankow und Charlottenburg gibt es Schwierigkeiten. Peter Ehrenberg beschreibt einen zusätzlichen Aspekt, der Kopfschmerzen bereitet. „In letzter Zeit haben wir viele Gärten durch Umwandlung in Eigentum verloren“, sagt er. „Dann werden es Privatgärten und die Pacht ist nicht mehr bezahlbar.“ Die kleinen Grundstücke in Berlin sollen aber sozial verträglich und bezahlbar bleiben, fordern die Protestierenden.

„In den letzten zwanzig Jahre haben wir mehrere Tausend Kleingärten verloren, das darf nicht so weitergehen!“ Fordert Peter Ehrenberg über die Verstärkeranlage des Lautsprecherwagens. „Abrissbagger haben bei uns Hausverbot“ steht auf einem der mitgeführten Transparente. Karin Keim trägt ein Schild auf dem sie die Wichtigkeit der Grünen Oasen für die Berliner Luft beschreibt. Die Mitarbeiterin beim Bezirksverband der Kleingärtner Berlin-Wilmersdorf setzt sich für die Laubenpiepern der kleinen Gartenanlage „Durlach“ ein. „Zumindest eine Verlängerung der Schutzfrist bis 2014 sollte doch drin sein“, sagt sie. Brit Meinig steht neben ihr. Sie kommt extra aus Potsdam angefahren. „Wir unterstützen die Berliner gegen den stetig voranschreitenden Trend Gartenland zu privatisieren oder an Investoren zu verkaufen.“ Nein, Boxhandschuhe habe sie noch nicht mitgebracht, „eine laute Trillerpfeife sollte ja wohl reichen.“

2 Kommentare to “Kleingärtner protestierten auf dem Kudamm”

  1. Die 1. Vorsitzende beim Bezirksverband der Kleingärtner Berlin-Wilmersdorf Inge Titel, berichtete Okt. 2009 in einem spiegel online Artikel von Christian Schwägerl ( Kahlschlag im Kleingarten), dass in Ihrem Bereich ein Generationenwechsel zu beobachten sei. Es würden sich hauptsähchlich Junge Familien mit Kindern bewerben. Die Wartezeit bis zur Übernahme einer Parzelle betrug damals vier Jahre. Sie freue sich über diese „Auffrischung“. Allenfalls am Stadtrand käme es vereinzelt zu Leerständen.
    Sicherlich geben Ihnen Mitarbeiter des Verbands gerne Auskunft über die aktuelle Situaiton.
    Übersichtlich gestaltete Informationen gibt es auf der Webseite: http://www.bv-wilmersdorf.de/index.html Einen Gesamtüberblick finden sie auf der Webseite des Landesverband Berlin der Gartenfreunde e. V. unter http://www.gartenfreunde-berlin.de/de/landesverband

    Gefällt mir

  2. Da kommt mir wieder eine Frage auf, die ich schon länger habe: Wie lange muss man denn auf eine Parzelle warten? Bzw: Gibt es genügend „jüngere Personen“, die noch Kleingärten haben wollen, sodass alle betrieben werden können?

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: