Taksim-Platz, die Ruhe ist vorbei – Mit roten Nelken gegen Polizei Brutalität

türkei 22jun istanbul ankara proteste  trauer um die toten der proteste22. Juni Istanbul/Ankara – Nach der Räumung des Gezi-Park erschien es so, als ob der Protest in der Türkei zum erliegen kommt, aber „die Proteste werden zur Zeit mit anderen Mitteln geführt“, berichtet Erkan Adli, der in München wohnt und über Kontakte in der Türkei informiert wird. „In Parks versammeln sich täglich Menschen, sie informieren, beraten sich gegenseitig und sind beim Aufbau neuer Protest Methoden.

Im Ausland übernahmen viele Menschen bei Solidaritätsveranstaltungen die in der Türkei geborene Protestform des still stehenden Mannes. Überall in der Türkei, in Parks, vor Krankenhäusern, vor öffentlichen Einrichtungen versammelten sich Menschen und protestieren leise stehend gegen die Einschränkungen der öffentlichen Meinungsäußerungen.

„Es werden Einkaufszentren, Tankstellen, Supermarkt Ketten und sehr viele andere Einrichtungen boykotiert. Meist sind es Einrichtungen von AKP Mitgliedern oder Anhängern. Aber auch Einrichtungen, die bei Polizeiübergriffen auf Demonstranten tatenlos zugesehen haben und verletzten und Demonstrierenden keine Hilfe geboten haben.“

In den letzten Tagen hatte die Polizei aufkeimende Protest auf dem Taksim Platz immer wieder unterbunden. Heute setzten sich zehntausende Demonstranten durch und füllten den Platz erneut. Die Stille des Protests fand damit sein Ende.  Die Menschen hatten rote Nelken mitgebracht und erinnerten an die 4 Toten und die vielen Verletzten der bisherigen Auseinandersetzungen. Bisher wurde bekannt, das 12 Menschen ein Auge verloren, mehr als 100 Personen ein Schädeltrauma davontrugen, und bis zu 8000 teils schwer verletzt wurden. Eine erste Anklage gegen vier Polizisten wegen Vergewaltigung endete mit einem Freispruch. In einer Reportage von RTL klagte eine Demonstrantin  über erfahrene sexuelle Nötigung nach ihrer Festnahme. Der Journalist Gökhan Biçici, der in Istanbul verhaftet wurde, berichtete im türkischen Fernsehsender IMC-TV.von schweren Misshandlungen an Demonstranten die er in seiner zweitägigen Gefangennahme beobachtet hatte. Schon auf der Fahrt zur Polizeiwache seien er und andere geschlagen worden. Auf der Polizeiwache bot sich Biçici ein weiterer dramatischer Einblick in das Ausmaß türkischer Polizeigewalt. Hunderte Menschen, „die sehr schlimm aussahen“, hätten sich dort befunden. Viele hätten, so berichtet der Journalist, Verletzungen am Kopf und den Genitalien davon getragen.

Als die Demonstranten den Taksim Platz am Abend nicht verlassen wollten, setzte die Polizei Wasserwerfer gegen sie ein. Der Einsatz von Tränengas wurde verringert, aber im Internet tauchten erneut Fotos von verätzten Körpern auf, die durch chemische Säurezusätze in den Tanks der Wasserwerfer hervorgerufen werden.  Die Auseinandersetzungen in den anliegenden Straßen dauerte bis in die Morgenstunden an.

 

Die Fotos zum erneuten Protest in der Türkei am 22. Juni 13

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